„Ich habe versucht mit Leuten zu fahren, aber es ist einfach nicht dasselbe. Es ist mehr eine gemeinschaftliche Angelegenheit. Am Ende opferst du dich für den Willen der Gruppe.“ Eric Brunt ist anders, wenn es um sein Erscheinungsbild, seine Einstellung und die Ansichten des normalen menschlichen Vergnügens geht. „Ich konnte mich keinen konventionellen Herausforderungen stellen. Es hat mich einfach nicht befriedigt. Wo sollen wir uns treffen? Oh, ich glaube das können wir nicht machen. Ach, ich glaube das will ich nicht machen. Das hing mir einfach zum Hals raus! Das mache ich nicht mehr mit!”

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Brunt’s Motto ist so simpel wie geradlinig: „Plane eine Route und befahre sie!“ „Esse früh und esse oft! Fahre mit wenig Gepäck, obwohl du weißt dass du vielleicht frierst! Einer wichtigen Sache bleibe ich mir immer treu um alles zu beherrschen und zwar: Mache Dinge auch wenn du nicht weißt, ob sie möglich sind.“

Diese Art die Brunt jetzt so besonders macht, begann in seiner Jugendzeit in Omaha, Nebraska – ein Ort wo speziell der Winter dazu beiträgt dein Umfeld mit stoischer Gelassenheit zu betrachten und zu genießen. Als Teenager, verkaufte Brunt sein Auto und lebte jahrelang ohne einen fahrbaren Untersatz. „Für mich war diese Aktion ein Sprungbrett für andere Gelegenheiten und Aktionen“, erzählt er uns. „Es gab keinen anderen Ausweg. Leben mit dem Fahrrad ist das, was mich mittlerweile ausmacht.“

In der Hochschule lieferte er für einen Laden Sandwiches aus. Gleich in der ersten Woche, wurde er von einem Auto angefahren und schwer am Arm verletzt. In der zweiten Woche war er zurück und lieferte weiter Sandwiches aus mit dem Arm in einer Schlinge fixiert. In seiner Arbeit wurde er für seine verdammt schnelle Liefergeschwindigkeit geehrt. Ich konnte bis zu 150 Kilometer in einer Arbeitsschicht fahren“ erzählt er. „Es war sensationell für mich.”

Er nahm auch an 12 und 24 Stunden Mountainbike Rennen teil, war aber auch an den bekannten 206 Meilen Gravelrennen Dirty Kanza und dem 330 Meilen Rennen Trans lowa mit von der Partie. Er wurde Singlespeed Gravel Weltmeister im Jahr 2011 und gewann das Trans Iowa Rennen in 2012. Mittlerweile lebt und arbeitet Brunt in Los Angeles, Kalifornien und besitzt sogar ein Auto welches er aber nur selten benutzt und das nur für Camping und Bike Trips. Aber lange Radabenteuer sind für ihn immer noch eine enorme Genugtuung und machen ihn glücklich.

„Es gibt so viele Situationen wo du dich unwohl fühlst - aber genau darauf kommt es an bei diesen langen Endurance Ausfahrten. Nutze diesen Unwohlsein Faktor, um dich weiterzubringen, dann wirst du dich wohlfühlen.“ Diese Aussage kam kurz nach einer 300 km Ausfahrt mit über 5000 Höhenmetern. Er machte das, weil er seine Frau für einen Camping Ausflug in Joshua Tree treffen wollte und natürlich auch als Trainings Einheit. Aber eigentlich war es zum Vergnügen und die Tatsache, dass er es einfach machen wollte.

"Nach sechs Stunden auf einer zehnstündigen Fahrt fühlst du dich wirklich wohl. Du fühlst dich als ob sich die Welt vor dir verbeugt, sich die Straße öffnet und dir alles leicht fällt. Du bist zufrieden, du fährst stark und du hast einfach nur Spaß. Ich liebe, wenn das passiert", offenbart er. "Du musst ein bisschen draufgängerisch sein und auch einmal was riskieren. Tu es einfach. Du wirst niemals besser werden und über dich hinauswachsen, wenn du immer wieder auf dieselbe Stelle trittst.“

Brunt fährt mit leichtem Gepäck und beschränkt sich auf das notwendige Minimum. Mahlzeiten holt er sich unterwegs in Supermärkten. ("In letzter Zeit habe ich mich mit leckeren Frühstücks-Sandwiches, die man bei Tankstellen findet, versorgt.") Abgesehen davon ist er immer am fahren. Er fährt für 2, 5, 10 oder15 Stunden und legt 80, 160, 240 oder auch mal 320 Kilometer zurück. Er fährt nicht um Lob in den sozialen Netzwerken zu erhalten oder um sich an Strava-Segmenten zu messen, sondern um mentale Befreiung und ein körperliches Hochgefühl zu finden. "Es ist eine einzigartige Art von Freiheit, dass du auf keinem anderen Weg finden kannst", erzählt er.

Gegen Ende unserer Konversation stellte er eine rhetorische Frage: "Was kommt nach dem Leiden?" Die Antwort findet er in seinem Lebenswerk: Mit 33 ist er immer noch mitten in der Durchführung von Fallstudien für seine Dissertation. Im Angeles National Forest und den Grasslandschaften von Nebraska, Kansas und Iowa recherchiert er unermüdlich weiter auf zwei Rädern.

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